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In einem Marktumfeld aus Inflation, schwankenden Zinsen und geopolitischen Spannungen stoßen klassische Standardlösungen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien an ihre Grenzen. Doch wie wird Vermögen zukunftssicher aufgestellt? Dirk Kochhan, Gründer der Schweizer Vicentum AG, erklärt im Interview, warum echte Vermögensplanung wie eine Architektur gedacht werden muss – und wie Privatanleger von der Logik institutioneller Investoren profitieren können.

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Herr Kochhan, Ihr Leitsatz lautet „Vermögen verdient mehr als Standardlösungen“. Warum scheitern die klassischen „Standardlösungen“ wie Aktien, Anleihen oder Immobilien in der heutigen Marktphase immer öfter?

Ich glaube nicht, dass Aktien, Anleihen oder Immobilien schlechte Investments sind. Ganz im Gegenteil – sie werden auch künftig ihren festen Platz in vielen Vermögensstrukturen haben. Aber eines haben sie gemeinsam: Der Anleger geht immer eine Wette auf die Entwicklung des jeweiligen Marktes ein. Steigen die Märkte, profitiert er. Fallen sie, verliert sein Vermögen an Wert. Genau diese Abhängigkeit ist aus meiner Sicht der entscheidende Punkt.

Natürlich haben sich die Kapitalmärkte langfristig historisch positiv entwickelt. Die Frage ist jedoch nicht nur, ob Märkte langfristig steigen, sondern auch, ob jeder Anleger den entsprechenden Anlagehorizont, die Risikotragfähigkeit und die notwendige Geduld mitbringt.

Genau deshalb sollte moderne Vermögensstrukturierung nicht ausschließlich auf marktabhängige Ertragsquellen setzen, sondern auch Strategien berücksichtigen, deren Ertragsmechanismen auf anderen wirtschaftlichen Logiken beruhen. Das ist der Grundgedanke des Vicentum Stable Return Ansatzes.

Sie sprechen davon, dass Vermögensplanung weniger „produktgetrieben“ und stattdessen „architektonisch“ gedacht werden muss. Wie unterscheidet sich die Herangehensweise eines Produktverkäufers von der eines Vermögensarchitekten in der Praxis?

Ein Produktverkäufer verkauft Lösungen. Ein Vermögensarchitekt entwickelt Konzepte.

Der Produktverkäufer fragt: „Welches Investment passt?“ Der Vermögensarchitekt fragt: „Welche Funktion fehlt Ihrem Vermögen noch?“ Das ist ein entscheidender Unterschied.

Denn Vermögen entsteht nicht durch möglichst viele Produkte, sondern durch die intelligente Kombination unterschiedlicher Ertragsmechanismen und Risikotreiber.

Ein Produkt ist niemals das Ziel einer Vermögensplanung – es ist immer nur ein Baustein der Architektur.

In Ihrer Pressenotiz heißt es, dass institutionelle Investoren und Family Offices oft völlig anders denken als klassische Privatanleger. Was machen diese Profi-Anleger bei der Strukturierung fundamental anders?

Der größte Unterschied ist die Denkweise. Je größer ein Vermögen wird, desto stärker verschiebt sich der Fokus vom Vermögensaufbau hin zum Vermögenserhalt. Wohlhabende Menschen müssen nicht mit jedem Investment möglichst viel verdienen. Sie müssen vor allem vermeiden, mit einzelnen Entscheidungen zu viel zu verlieren.

Deshalb denken institutionelle Investoren und Family Offices weniger in einzelnen Produkten und mehr in Vermögensstrukturen, Ertragsmechanismen und Risikomanagement. Sie betrachten ein Vermögen als Gesamtsystem, bei dem jeder Baustein eine klar definierte Aufgabe erfüllt. Es geht nicht darum, mit jeder Position die höchstmögliche Rendite zu erzielen, sondern ein intelligentes Verhältnis zwischen Renditechancen und Risiken zu schaffen. Genau darin liegt aus meiner Sicht der entscheidende Unterschied zwischen einer klassischen Produktlogik und einer strategischen Vermögensarchitektur.

Die Vicentum AG verspricht Zugang zu Investmentwelten, die oft nur diesem Kreis vorbehalten sind. Warum sind diese Segmente für den anspruchsvollen Privatanleger so schwer zugänglich und wie brechen Sie diese Barriere auf?

Viele dieser Investmentwelten wurden ursprünglich für institutionelle Investoren, Family Offices oder professionelle Anleger entwickelt. Hinzu kommen häufig hohe Mindestinvestitionen von 50.000, 100.000 Euro oder deutlich mehr sowie spezialisierte Zugangswege. Dadurch bleiben sie selbst vielen vermögenden Privatanlegern verschlossen – nicht weil ihnen das Kapital fehlt, sondern weil ihnen häufig der Zugang und die Transparenz fehlen.

Genau hier setzt die Vicentum AG an. Wir richten uns an Unternehmer und vermögende Privatinvestoren, die über klassische Standardlösungen hinausdenken möchten. Unser Anspruch ist es, ausgewählte Investmentwelten sichtbar zu machen, deren Ertragsmechanismen verständlich zu erklären und den Zugang über unsere institutionellen Partner zu ermöglichen. Die Mindestinvestitionen der jeweiligen Anbieter bleiben dabei selbstverständlich bestehen.

Sie haben den „Vicentum Stable Return Ansatz“ entwickelt. Was ist der Kern dieser Strategie und wie unterscheidet sich ihre „Ertragslogik“ von den traditionellen Marktmechanismen?

Der wesentliche Unterschied liegt in der Denkweise. Während die klassische Vermögensverwaltung überwiegend in Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien denkt, denkt der Vicentum Stable Return Ansatz in Ertragsmechanismen.

Die entscheidende Frage lautet nicht: „In welches Produkt investiere ich?“, sondern: „Wodurch entsteht der Ertrag und wovon ist er abhängig?“

Neben klassischen Investments gibt es Strategien, deren Ertragsmechanismen nicht primär von steigenden Aktienkursen oder positiven Marktbewegungen abhängen, sondern auf anderen wirtschaftlichen Logiken beruhen. Dadurch können sich unterschiedliche Chancen-Risiko-Profile und eine geringere Abhängigkeit von den klassischen Kapitalmärkten ergeben.

Unser Ansatz besteht darin, unterschiedliche Ertragsmechanismen intelligent miteinander zu kombinieren. Ziel ist nicht, klassische Investments zu ersetzen, sondern Vermögen breiter, robuster und unabhängiger von einzelnen Marktphasen zu strukturieren. Genau das verstehen wir unter dem Vicentum Stable Return Ansatz.

Wenn Sie von „marktunabhängigen“ Erträgen und alternativen Vermögensbausteinen sprechen: Können Sie uns ein konkretes, greifbares Beispiel für eine solche Strategie nennen, die nicht an die klassischen Aktien- und Anleihemärkte gekoppelt ist?

Ein gutes Beispiel ist die ETF-Arbitrage. Anders als bei einem klassischen Aktieninvestment setzen wir dabei nicht darauf, dass die Börsen steigen oder fallen. Stattdessen nutzen wir kurzfristige Kursdifferenzen zwischen einem ETF und den zugrunde liegenden Wertpapieren. Diese Preisunterschiede entstehen immer wieder für sehr kurze Zeit und können systematisch genutzt werden.

Der entscheidende Unterschied ist: Der Ertrag entsteht nicht primär aus einer positiven Marktentwicklung, sondern aus der Ausnutzung dieser Kursdifferenzen. Dadurch ist die Strategie deutlich weniger von der allgemeinen Richtung der Kapitalmärkte abhängig als ein klassisches Buy-and-Hold-Investment.

Genau solche unterschiedlichen Ertragsmechanismen sind ein wesentlicher Bestandteil des Vicentum Stable Return Ansatzes.

Ein weiteres Beispiel sind Life Settlements – der institutionelle Zweitmarkt für bestehende Lebensversicherungspolicen. Hier basiert die Ertragslogik nicht auf der Entwicklung von Aktien- oder Anleihemärkten, sondern auf versicherungsmathematischen und vertraglichen Mechanismen. Genau solche alternativen Ertragsquellen zeigen, dass Renditechancen nicht zwangsläufig an klassische Kapitalmärkte gekoppelt sein müssen.

Sie werfen in Ihren Thesen auch die Fragen nach Risikostruktur und Liquidität auf. Wie balancieren Sie in Zeiten geopolitischer Spannungen den Wunsch nach Sicherheit (Risikominimierung) mit der Notwendigkeit von Liquidität?

Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten zeigt sich, wie wichtig eine ausgewogene Vermögensstruktur ist. Aus meiner Sicht beginnt Risikomanagement nicht bei der Auswahl einzelner Produkte, sondern bei einer intelligenten Diversifikation – über Länder, Währungen, Ertragsmechanismen sowie unterschiedliche Liquiditätsprofile hinweg.

Ein robustes Vermögen besteht nicht nur aus langfristig gebundenen Investments, sondern auch aus Bausteinen mit höherer Liquidität.

Eine angemessene Liquiditätsreserve gehört dabei ebenso zu einer durchdachten Vermögensstruktur wie die breite Streuung über verschiedene Märkte und Währungsräume. Genau dieser Mix schafft Stabilität und erhält gleichzeitig die notwendige Flexibilität, um auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren zu können.

Seit über drei Jahrzehnten sind Sie als Unternehmer tätig. Wie stark prägt Ihre eigene unternehmerische Erfahrung Ihren Blick auf Kapitalmärkte und die Auswahl von Investments?

Ich glaube, genau darin liegt mein größter Vorteil. Ich habe den Stable Return Ansatz nicht am Reißbrett entwickelt und auch nicht aus der Theorie heraus. Er ist das Ergebnis von fast vier Jahrzehnten Unternehmertum und eigener Investmenterfahrung. Als Unternehmer war ich von Anfang an selbst für mein Vermögen verantwortlich. Ich habe Kapital aufgebaut, investiert, Chancen genutzt, aber auch Fehlentscheidungen getroffen und daraus gelernt. Diese Erfahrungen waren letztlich die Grundlage für den Stable Return Ansatz.

Mein Ziel war nie, ein weiteres Finanzprodukt zu entwickeln. Ich habe vielmehr nach einer Antwort auf die Frage gesucht, wie ich mein eigenes Vermögen intelligenter strukturieren kann. Genau deshalb steckt im Stable Return Ansatz nicht nur finanzwirtschaftliches Wissen, sondern vor allem jahrzehntelange unternehmerische Praxis und persönliche Erfahrung. Ich investiere nach denselben Grundsätzen, die ich auch selbst für mein eigenes Vermögen anwende.

Angenommen, ein vermögender Anleger stellt fest, dass sein Depot aktuell fast nur aus den klassischen Standard-Produktpaketen besteht: Was ist der erste, ganz pragmatische Schritt, um von einer Produkt- zu einer Strukturperspektive zu wechseln?

Der erste Schritt ist nicht, das Depot sofort umzuschichten. Der erste Schritt ist, die richtigen Fragen zu stellen. Die meisten Anleger schauen auf Produkte. Ich würde zunächst hinterfragen, woher die Erträge meines Portfolios eigentlich kommen und wovon sie abhängig sind. Sind nahezu alle Investments an die Entwicklung der Kapitalmärkte gekoppelt oder gibt es auch Ertragsquellen, die auf anderen wirtschaftlichen Mechanismen beruhen? Erst wenn man diese Transparenz geschaffen hat, kann man sinnvoll darüber nachdenken, wie sich eine Vermögensstruktur weiterentwickeln lässt.

Wenn wir fünf Jahre in die Zukunft blicken: Wird die klassische 60/40-Aufteilung (Aktien/Anleihen) dann endgültig ausgedient haben, oder bleibt sie ein Fundament, das lediglich durch alternative Nischenstrategien ergänzt wird?

Ich glaube nicht, dass die klassische 60/40-Aufteilung verschwinden wird. Sie wird auch in Zukunft für viele Anleger und Vermögensverwalter ein bewährtes Grundmodell bleiben.

Aus meiner Sicht reicht sie heute jedoch allein nicht mehr aus. Die Welt hat sich verändert: Geopolitische Risiken, Inflation, Zinswenden und eine deutlich höhere Marktvolatilität verlangen nach einer breiteren Denkweise.

Ich persönlich bin deshalb kein Verfechter einer reinen 60/40-Logik. Nicht, weil Aktien oder Anleihen schlechte Investments wären – sie gehören für mich weiterhin zu einer ausgewogenen Vermögensstruktur. Aber ich bin überzeugt, dass sie heute sinnvoll durch Strategien ergänzt werden sollten, deren Ertragsmechanismen nicht ausschließlich von den klassischen Kapitalmärkten abhängen. Genau darin sehe ich die Zukunft moderner Vermögensstrukturierung.

Dirk Kochhan ist Gründer der Vicentum AG, einer Schweizer Investment Boutique mit Fokus auf ausgewählte Investmentstrategien und alternative Vermögensbausteine für anspruchsvolle Investoren.
Dirk Kochhan ist Gründer der Vicentum AG, einer Schweizer Investment Boutique mit Fokus auf ausgewählte Investmentstrategien und alternative Vermögensbausteine für anspruchsvolle Investoren. Foto © Dirk Kochhan
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