Der deutsche Aktienmarkt hat die Woche mit einem neuen Allzeithoch abgeschlossen. Der DAX schloss am Freitag bei 26.569,99 Punkten (+0,77 Prozent). Intraday markierte er 26.618,74 Punkte und übertraf damit das bisherige Rekordhoch vom 12. August. Auf Wochensicht steht ein Plus von 1,66 Prozent, im laufenden Jahr von gut 8,5 Prozent. Der MDAX gewann am Freitag 0,25 Prozent auf 33.029,91 Punkte, der TecDAX 0,36 Prozent auf 4.119,39 Punkte.
Autowerte tragen den DAX, Wall Street gibt am Freitag nach
Getragen wurde der Freitag vor allem von Autowerten. BMW stieg um 4,5 Prozent,Volkswagen um gut 3 Prozent, Mercedes-Benz um knapp 3 Prozent. RWE gehörte ebenfalls zu den Gewinnern. Auf der Verliererseite lagen unter anderem Rheinmetall und einzelne Healthcare-Titel. Die Breite der Bewegung war damit nicht vollständig: Der Index lag am neuen Hoch, einzelne zyklische und defensive Werte blieben zurück.
Rückenwind kam aus den USA – allerdings zeitversetzt. Nvidia, Salesforce und CrowdStrike hatten in der Wochenmitte Zahlen und Ausblicke vorgelegt, die die KI- und Software-Fantasie erneut befeuerten. Salesforce und CrowdStrike legten nach den Zahlen zeitweise um mehr als 20 Prozent zu, Nvidia war am Donnerstag der zentrale Impulsgeber für Nasdaq und S&P 500. Freitag drehten die US-Indizes dann leicht ins Minus: Der S&P 500 schloss bei 7.711,76 Punkten (−0,2 Prozent), der Nasdaq bei 26.402,42 Punkten (−0,5 Prozent), der Dow bei 53.559,99 Punkten (nahezu unverändert). Für die gesamte Woche blieben S&P 500 und Dow mit jeweils rund 0,5 Prozent im Plus, der Nasdaq mit etwa 0,8 Prozent. Die Diskrepanz ist bemerkenswert: Frankfurt feierte Rekord, Wall Street gab am Wochenschluss nach, blieb aber im Wochenplus.
Ölmarkt: Wochenminus und zusätzliches Angebot im Blick
Am Ölmarkt überwiegt vorerst Entspannung. Brent schloss Freitag bei 89,31 Dollar je Barrel (−0,43 Prozent), WTI bei 83,40 Dollar (−0,16 Prozent). Auf Wochensicht verlor Brent mehr als 5 Prozent, WTI mehr als 4 Prozent – der erste Wochenrückgang seit drei Wochen. Zwei Angebotsfaktoren wirkten dämpfend. Zum einen kursieren Hoffnungen auf bessere Durchfahrten durch die Straße von Hormus. Zum anderen wurde am Freitagabend ein Abkommen bekannt, das US-Unternehmen langfristigen Zugang zu einem großen Teil venezolanischer Reserven sichern soll – genannt werden mehr als 65 Milliarden Barrel. Für den Spotmarkt ist das zunächst ein Stimmungsfaktor, kein unmittelbarer Mengenimpuls. Der Aufbau zusätzlicher Förderung in Venezuela braucht Infrastruktur, Kapital und Zeit. Kurzfristig bleibt der Markt deshalb zwischen möglichen Mehrlieferungen und anhaltenden geopolitischen Risiken gespalten. Für energieintensive DAX-Sektoren (Chemie, Auto) ist ein nachgebender Ölpreis gleichwohl eine Entlastung, für Energiewerte eher Gegenwind.
Bitcoin gibt Wochengewinn wieder ab
Bitcoin hat den Wochengewinn nicht gehalten. Nach einem Anlauf über 81.000 Dollar fiel der Kurs am Freitag um rund 3 Prozent und notierte am Samstagmorgen um 77.500 Dollar. Die Spanne am Freitag reichte von über 81.300 Dollar bis unter 77.000 Dollar – ein typisches Bild nach einer überdehnten Aufwärtswoche. Solana zeigte sich robuster als Bitcoin. Institutionelle Spot-ETF-Zuflüsse der Vortage wurden am Freitag teilweise wieder abgegeben. Am Kryptomarkt bleibt der 15. September relevant: Dann steht die nächste Hürde für das US-Regulierungsvorhaben Clarity Act. Für das Wochenende ist der Kryptohandel offen, die klassischen Aktienmärkte bleiben bis Montag ruhig.
Gold kam am Freitag ebenfalls unter Druck, nachdem es in der Woche zuvor von Schulden- und Zinsängsten profitiert hatte. Der Impuls war markttechnisch klar: steigende kurze US-Renditen und ein festerer Dollar. Kupfer hielt sich besser – ein Hinweis, dass die Konjunkturfantasie nicht vollständig abgewürgt wurde.
Ausblick: Euro-Inflation und verkürzte US-Woche
Die kommende Woche ist in den USA durch den Labor Day (Montag, 1. September) verkürzt. Für europäische Anleger zählen vor allem zwei Termine. Am Dienstag kommen die vorläufigen Inflationszahlen für den Euroraum im August. Der Konsens liegt bei 3,0 bis 3,3 Prozent nach 2,9 Prozent im Juli – dem höchsten Stand seit 2023, getrieben vor allem von Energie. Die Kernrate wird ebenfalls leicht steigend erwartet. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer weiteren EZB-Zinserhöhung am 10. September. In den USA folgt am Freitag der August-Jobsreport; er entscheidet mit darüber, wie aggressiv die nächste geldpolitische Weggabelung in Washington ausfällt. Zusätzlich stehen China-PMI, Daten aus Japan und Kanada sowie ein G20-Treffen auf dem Kalender.
Aktien in Frankfurt haben die Woche stark beendet, Rohöl und Bitcoin haben Luft abgelassen. Das ist kein Widerspruch. Der DAX preist derzeit robuste Unternehmenszahlen und nachgebende Energiekosten, während zinsempfindliche Anlagen (Wachstumswerte in den USA, Gold, Krypto) auf höhere Renditeerwartungen reagieren. Die nächste Richtungsentscheidung kommt nicht vom Wochenende, sondern von Euro-Inflation und US-Arbeitsmarkt.
Weiterführende Quellen
DAX-Marktbericht zum Allzeithoch (tagesschau.de)
DAX-Kurs und Top/Flop (tagesschau.de)
US-Indizes Freitag und Woche (Associated Press)
Ölpreise Freitagsschluss und Wochenminus (The Business Times / Reuters)
Öl auf Wochenverlust (Reuters)
Bitcoin-Kurs (Investing.com)
Euro-Inflationsausblick (Bloomberg)
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