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Die heute vom Statistischen Bundesamt (destatis) veröffentlichten Baugenehmigungszahlen für den Mai senden auf den ersten Blick ein erfreuliches Signal: Mit insgesamt 21.000 genehmigten Wohnungen im Neubau und Bestand steht ein deutliches Plus von 24,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu Buche. Doch wer in der Immobilienbranche auf eine schnelle Wende hofft, wird vom Immobilienverband Deutschland (IVD) abrupt ausgebremst. Der Verband macht in seiner aktuellen Stellungnahme deutlich, dass die reale Krise keineswegs überwunden ist und wir weiterhin eine tiefe Baukrise trotz steigender Baugenehmigungen erleben. Hinter der statistischen Momentaufnahme verbergen sich tiefe strukturelle Probleme, die den tatsächlichen Bau von dringend benötigtem Wohnraum weiterhin blockieren.

Statistischer Zuwachs vs. Realität: Baukrise trotz steigender Baugenehmigungen

Die reinen Zahlen klingen vielversprechend: Die Baugenehmigungen im Neubau stiegen um 29,9 Prozent auf 17.800 Einheiten, und auch bei den Mehrfamilienhäusern gab es Zuwächse. Doch wie wir bereits in unserer detaillierten Analyse über Baugenehmigungen für Wohnungen 2026 dargelegt haben, darf eine Genehmigung keinesfalls mit einer tatsächlich fertiggestellten Wohnung gleichgesetzt werden. Die Realität auf den Baustellen sieht gänzlich anders aus. Dass die Baukrise trotz steigender Baugenehmigungen anhält, zeigt der drastische Unterschied zwischen Schein und Sein auf dem Markt.

IVD-Präsident Dirk Wohltorf stellt unmissverständlich klar:

„Der Aufschwung im Wohnungsbau bleibt Theorie. Von einer Erholung sind wir weit entfernt. Vielmehr hat sich die Stimmung in der Bauwirtschaft erneut verschlechtert. Das aktuelle ifo-Geschäftsklima im Wohnungsbau zeigt sinkende Erwartungen und fehlende Aufträge. Statt eines Aufschwungs müssen wir davon ausgehen, dass in diesem Jahr ein neuer Tiefpunkt der tatsächlich gebauten Wohnungen erreicht wird.“

Die Schere zwischen den erteilten Genehmigungen und den tatsächlich fertiggestellten Projekten klafft immer weiter auseinander. Ein statistisches Plus auf dem Papier ändert nichts daran, dass auf den Baustellen Stillstand droht.

Warum die Baustellen trotz Papier-Plus leer bleiben

Die Gründe für dieses Auseinanderdriften sind komplex. Viele Projekte, die in den aktuellen Statistiken erfasst sind, verbleiben vorerst in den Schubladen der Projektentwickler und privaten Bauherren. Dass die Baukrise trotz steigender Baugenehmigungen die Realität bestimmt, liegt vor allem daran, dass private Bauherren und gewerbliche Investoren vor unkalkulierbaren Hürden stehen. Die Kombination aus enorm hohen Baukosten, strengen staatlichen Vorgaben und einer drückenden Besteuerung macht viele Vorhaben schlicht unwirtschaftlich.

Zusätzlich belasten ideologische Debatten das Vertrauen der Investoren. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die anhaltende Diskussion um eine mögliche Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen in Berlin. IVD-Präsident Dirk Wohltorf führt dazu aus:

„Die Lücke zwischen genehmigten Projekten und tatsächlich fertiggestellten Wohnungen klafft zunehmend auseinander. Immer mehr Baugenehmigungen bleiben in der Schublade, weil Investoren und private Bauherren keine verlässlichen politischen Rahmenbedingungen vorfinden. Durch staatliche Vorgaben und Besteuerung sind viele Wohnungsbau-Projekte wirtschaftlich nicht mehr zu realisieren. Die Diskussion um eine etwaige Vergesellschaftung von Wohnungsbeständen in Berlin drückt das Investitionsvertrauen auf einen neuen Tiefpunkt.“

Porträt von IVD-Präsident Dirk Wohltorf, der angesichts der anhaltenden Baukrise trotz steigender Baugenehmigungen eindringlich vor dem Fehlschluss warnt, dass die Krise im Wohnungsbau bereits beendet sei.
Baukrise trotz steigender Baugenehmigungen: IVD-Präsident Dirk Wohltorf warnt eindringlich vor dem Fehlschluss, dass die Krise im Wohnungsbau beendet sei Foto © Thomas Rafalzyk

Das zeigt deutlich, dass die positiven Impulse verpuffen, solange das Vertrauen der Akteure am Markt auf einem historischen Tiefpunkt verharrt. Die Baukrise trotz steigender Baugenehmigungen lässt sich eben nicht mit Statistik wegdiskutieren.

Fehlende Planungssicherheit belastet private Vermieter schwer

Ein weiteres Hindernis für eine nachhaltige Erholung ist die verfehlte Gesetzgebung der letzten Monate. Ein Paradebeispiel hierfür ist das Gebäudemodernisierungsgesetz. Anstatt den Marktakteuren langfristige Orientierung und Sicherheit zu geben, wurde hier wertvolle Zeit verspielt. Dirk Wohltorf kritisiert das Vorgehen der Politik scharf:

„Manche Politiker scheinen nicht zu verstehen, dass Investitionen in den Wohnungsbau langfristig planbar sein müssen. So wurde mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz erneut die Chance verpasst, über 2030 hinaus Klarheit über die gesetzlichen Ansprüche an die Gebäudeenergieversorgung und damit Planungssicherheit zu schaffen. Vermieter werden nun sogar finanziell zusätzlich belastet. Das trübt die Stimmung bei den Marktakteuren.“

Diese verfehlten Weichenstellungen zementieren den Zustand, in dem eine spürbare Baukrise trotz steigender Baugenehmigungen den Alltag bestimmt und private Initiativen ausgebremst werden.

Ein „Pakt fürs Eigentum“ als dringend benötigter Hebel

Damit sich das Bild dauerhaft wendet, reicht eine statistische Momentaufnahme nicht aus. Der Markt benötigt jetzt einen kraftvollen Impuls durch eine konzertierte Action von Bund und Ländern. Nur so lässt sich in diesem Jahr noch eine echte, spürbare Trendwende herbeiführen.

Ein solcher Impuls könnte der von Bauministerin Verena Hubertz angekündigte „Pakt fürs Eigentum“ sein, der auf der Investorenkonferenz am 19. Juni in Frankfurt am Main vorgestellt wurde. Dieser Pakt muss jedoch schnell mit konkreten Maßnahmen gefüllt werden. Eine zentrale Forderung des IVD ist hierbei der Verzicht auf die Grunderwerbsteuer beim Kauf von selbstgenutzten Eigenheimen. Verbesserte Chancen auf Wohneigentum könnten den Wohnungsbau auf breiter Front ankurbeln. Ohne solche echten Hebel verharren wir in der Baukrise trotz steigender Baugenehmigungen.

Dirk Wohltorf betont:

„Es braucht jetzt einen kraftvollen Impuls durch eine konzertierte Aktion von Bund und Ländern, um dieses Jahr doch noch eine echte Trendwende einzuleiten. Ein solcher Impuls kann der von Bauministerin Verena Hubertz bei der Investorenkonferenz am 19. Juni in Frankfurt am Main angekündigte „Pakt fürs Eigentum“ sein. Dieser muss jetzt mit Leben gefüllt werden, etwa einem Verzicht auf Grunderwerbsteuer beim Kauf selbstgenutzter Eigenheime. Verbesserte Chancen auf Wohneigentum haben das Zeug, den Wohnungsbau auf breiter Front einzukurbeln.“

Fazit: Ohne verlässliche Politik verpufft die positive Tendenz

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die heutigen Zahlen zwar theoretisch Hoffnung machen, die Realität in der Bauwirtschaft aber eine völlig andere Sprache spricht. Damit wir in Zukunft nicht nur über die Baugenehmigungen diskutieren, sondern auch über fertiggestellte Wohnungen berichten können, muss die Politik jetzt handeln und verlässliche Rahmenbedingungen sowie steuerliche Entlastungen schaffen. Denn andernfalls bleibt uns die Baukrise trotz steigender Baugenehmigungen als bitterer Dauerzustand erhalten.

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