Mit einem strategischen Zukauf im Norden Europas treibt das US-amerikanische Finanztechnologie-Unternehmen Payward seine Expansion im regulierten Bankensektor voran. Für die Übernahme der Saldo Bank durch Payward hat die Gesellschaft einen verbindlichen Vertrag zum Erwerb der finnischen Holding Saldo Finance Oy unterzeichnet. Diese Holding ist die Muttergesellschaft der Saldo Bank UAB, einer digital ausgerichteten Spezialbank mit einer regulären litauischen Banklizenz. Dank des sogenannten EU-Passportings erhält der Käufer über dieses Institut direkten regulatorischen Zugang zu fünf europäischen Kernmärkten und legt damit den Grundstein für ein breit gefächertes kontinentales Bankangebot.

Neue Bankprodukte für europäische Kunden

Payward, Inc., vor allem als Betreiber der globalen Kryptobörse Kraken und einer integrierten Finanzinfrastruktur-Plattform bekannt, erweitert durch diesen Schritt sein Leistungsspektrum erheblich. Künftig kann das Unternehmen seinen Kunden in mehreren europäischen Ländern verzinste Einlagenkonten, maßgeschneiderte Kreditprodukte, eigene Zahlungskarten sowie eine direkte Anbindung an den SEPA-Zahlungsverkehr anbieten. Die Akquisition markiert einen Meilenstein für die Sparte Payward Banking, die bereits Kredite im Gesamtvolumen von mehr als zwei Milliarden US-Dollar vergeben hat. Bislang stützte sich diese Sparte weltweit unter anderem auf einen Master Account mit eingeschränktem Geschäftszweck bei der US-Notenbank Federal Reserve sowie auf eine E-Geld-Lizenz (EMI) der irischen Zentralbank.

Schrittweise Lizenzstrategie als Fundament der Expansion

Die Integration einer vollwertigen europäischen Banklizenz folgt einem langfristigen Plan, klassische Bankdienstleistungen und moderne Finanzinfrastruktur auf einer einzigen Plattform zu vereinen. Kunden sollen ihre Kapitalbestände künftig ohne Medienbrüche verwalten, transferieren und verzinsen lassen können.

Arjun Sethi, Co-CEO von Payward, ordnet die Bedeutung des Zukaufs wie folgt ein:

„Payward Banking ist kein neues Vorhaben. Wir bauen dieses Geschäft schrittweise auf, Lizenz für Lizenz und Markt für Markt. Mit einer regulierten EU-Bank können wir europäische Kunden so betreuen, wie sie es von einer Hausbank erwarten: Sie können ihre Vermögenswerte an einem Ort halten, frei bewegen und für sich arbeiten lassen. Wir sind überzeugt, dass wir uns mit dieser Kundenbeziehung auch die Möglichkeit eröffnen, weitere angrenzende Leistung anzubieten. Wir beginnen in der EU, unser Ziel ist global.“

Damit wird deutlich, dass die Übernahme der Saldo Bank durch Payward den Auftakt für eine noch engere Verzahnung von reguliertem Einlagengeschäft und digitalen Vermögenswerten darstellt.

Das operative Profil der Saldo Bank in fünf EU-Märkten

Die Saldo Bank UAB verfügt über eine Lizenz der Europäischen Zentralbank (EZB) und unterliegt der direkten Aufsicht der Bank von Litauen. Ende September 2026 beschäftigte das Finanzinstitut mehr als 90 Mitarbeitende. Operativ ist die Bank bereits heute in Litauen, Finnland, Schweden sowie Deutschland tätig und hält darüber hinaus einen EU-Pass für die Niederlande. Während Festgeldangebote für Privatkunden in sämtlichen fünf Märkten verfügbar sind, verfolgt das Institut im Kreditbereich einen fokussierten Ansatz. Konsumentenkredite werden in Litauen, Finnland und Schweden vergeben; besicherte sowie unbesicherte Finanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) konzentrieren sich auf den litauischen und finnischen Markt.

Ergänzt wird das Portfolio durch eine eigene Kreditkarte, die in Finnland bereits etabliert ist und im Jahr 2027 auch in Schweden eingeführt werden soll. Ein besonders wichtiger Baustein bei der Übernahme der Saldo Bank durch Payward ist zudem die bestehende Infrastruktur für Embedded Lending. In Deutschland und Finnland stellt die Spezialbank anderen Fintech-Unternehmen vollautomatisierte Kreditlösungen bereit, die diese direkt in ihre eigenen Plattformen integrieren können. In Kombination mit der Infrastruktur des Käufers sollen künftig umfassende Banking-as-a-Service-Leistungen (BaaS) wie Kartenausgaben, Passporting-Lösungen und Unternehmenskredite aus einer Hand angeboten werden.

Jarkko Mäensivu, President der Saldo Bank, hebt die technologischen Synergien beider Häuser hervor:

„Eine Banklizenz ist nur so viel wert wie das, was man darauf aufbaut. Payward hat über Jahre regulierte Infrastruktur in den USA und in Europa geschaffen. Die Infrastruktur der Saldo Bank war von Anfang an europaweit angelegt und ermöglicht innovative Banklösungen, etwa eingebettete Dienste für andere Fintechs. Verbindet man diese Fähigkeiten mit unserer Präsenz in fünf Märkten, können deutlich mehr Kunden das gesamte Angebot beider Unternehmen nutzen: Bankgeschäft, Zahlungsverkehr und Kredite aus einer Hand.“

Einheitliche Architektur und Ausblick auf den Vollzug

Das technologische Rückgrat von Payward bildet eine einheitliche Plattformarchitektur, auf der neben Kraken auch spezialisierte Anwendungen wie NinjaTrader, Breakout, xStocks und CF Benchmarks laufen. Das Unternehmen trennt dabei konsequent die jeweilige Produktgestaltung im Frontend von der zugrunde liegenden Basisinfrastruktur. Alle Marken greifen gemeinsam auf einen globalen Liquiditätspool, eine zentrale Risiko- und Margin-Engine, ein einheitliches Abwicklungssystem sowie einen übergreifenden Compliance-Rahmen zu.

Durch dieses Baukastenprinzip lässt sich nach der Übernahme der Saldo Bank durch Payward das europäische Geschäft zu niedrigen Grenzkosten skalieren, ohne dass für jedes Marktsegment eigene Systeme entwickelt werden müssen. Über den Kaufpreis und die finanziellen Einzelheiten der Transaktion haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Der endgültige Abschluss der Transaktion wird – vorbehaltlich der üblichen Vollzugsbedingungen und der aufsichtsrechtlichen Genehmigungen – für das Jahr 2027 erwartet.

Weiterführende Quelle

Aufsichtsregister und Informationen der Bank von Litauen (Lietuvos bankas)

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