Der Hype um künstliche Intelligenz reißt nicht ab, doch für Anleger gewinnt das Investieren in KI-Infrastruktur zunehmend an Komplexität. Während die rasanten technologischen Fortschritte faszinieren, warnt Jörg Held, Head of Portfolio Management bei ETHENEA Independent Investors S.A., vor den finanziellen Risiken im Hintergrund. Die entscheidende Frage für den Markt sei nicht, ob sich die Technologie an sich durchsetzt, sondern ob die Nachfrage schnell genug wächst, um die gigantischen Summen zu rechtfertigen. Ein genauer Blick auf den Kapitalzyklus zeigt, wo die Gefahren lauern.
Vier Prüfpunkte für das Investieren in KI-Infrastruktur
Die jüngsten Marktkorrekturen bei vielen Technologieaktien haben die Debatte um eine mögliche KI-Blase neu entfacht. Für den Experten von ETHENEA Independent Investors S.A. ist dies jedoch kein Grund, den Sektor vorschnell abzuschreiben. Vielmehr plädiert er für eine sachliche Analyse anhand von vier entscheidenden Faktoren. Wer das Investieren in KI-Infrastruktur fundiert bewerten möchte, sollte die Finanzierungsstrukturen, die Qualität der Umsätze, die realen Abschreibungskosten und vor allem die tatsächliche Marktnachfrage genau analysieren.
Historische Vergleiche mit früheren Infrastrukturzyklen – wie dem Glasfaserausbau oder der Schiefergasförderung – zeigen ein wiederkehrendes Muster: Nach einer ersten Phase der Euphorie übersteigt das Angebot oft die tatsächliche Nachfrage. Die physische Infrastruktur bleibt zwar langfristig nützlich, doch die frühen Kapitalgeber zahlen häufig einen hohen Preis. Dieses Risiko sollten Anleger beim Investieren in KI-Infrastruktur stets im Hinterkopf behalten.
1. Warnsignale an den Rändern der Finanzierung
Ein wesentlicher Unterschied zur Dotcom-Blase von 1999 liegt in der finanziellen Stärke der heutigen Marktführer. Die großen Tech-Konzerne (Hyperscaler) finanzieren ihre Investitionen weitgehend aus dem eigenen, soliden operativen Cashflow. Dennoch sieht ETHENEA Independent Investors S.A. erste Risse im Fundament. Das Investieren in KI-Infrastruktur wird zunehmend durch eine aggressive Verschuldung an den Peripherien begleitet.
Die fünf größten Hyperscaler nahmen im Jahr 2025 dreimal so viel Fremdkapital auf wie üblich, während ihre freien Cashflows schrumpften. Zudem wurden bereits über 120 Milliarden US-Dollar an Infrastruktur-Schulden in Zweckgesellschaften außerhalb der Bilanzen ausgelagert. Solche Konstrukte bergen in Abschwungphasen erhebliche Risiken.
2. Die Qualität der Umsätze auf dem Prüfstand
Ein weiteres Risiko betrifft die Umsatzqualität innerhalb des Sektors. Während beim Dotcom-Crash Ausrüster oft ihre eigenen Kunden direkt finanzierten, zeigt sich heute eine andere Dynamik. Chiphersteller, Cloud-Anbieter und KI-Entwickler sind über komplexe Verträge und gegenseitige Beteiligungen eng miteinander verflochten.
Die Ausgaben des einen Unternehmens werden direkt als Umsatz des anderen verbucht. Für ein nachhaltiges Investieren in KI-Infrastruktur ist diese zirkuläre Umsatzgenerierung jedoch unzureichend. Am Ende des Tages muss eine echte, profitable Nachfrage von Kunden außerhalb dieses geschlossenen Kreislaufs entstehen, um das System dauerhaft zu tragen.
3. Unterschätzte Abschreibungen bei KI-Chips
Oftmals blenden gängige Finanzkennzahlen wie das EBITDA die realen Kosten des Wertverzehrs aus. Jörg Held von ETHENEA betont, dass dies beim Investieren in KI-Infrastruktur ein fataler Fehler sein kann. High-Tech-Prozessoren veralten rasant. Wer technologisch wettbewerbsfähig bleiben will, muss seine Hardware in kurzen Abständen ersetzen.
Wenn diese Chips jedoch über unrealistisch lange Zeiträume abgeschrieben werden, spiegelt die Bilanz nicht die reale wirtschaftliche Abnutzung wider. Die Abschreibungen sind in diesem Sektor keine rein theoretische Größe, sondern eine reale, wiederkehrende Kostenposition, die das Investieren in KI-Infrastruktur erheblich verteuert.
4. Die Nachfrage als ultimativer Prüfstein
Noch wird der Markt durch eine künstliche Verknappung von Spezialchips und Stromkapazitäten beherrscht. Doch diese Situation könnte sich ab 2027 drastisch verändern, wenn neue Produktionskapazitäten in den Markt drängen. Ein gleichzeitiger Kapazitätsaufbau der führenden Speicherhersteller führte in der Vergangenheit verlässlich zu Überkapazitäten und Preisstürzen. Um ein böses Erwachen zu vermeiden, sollten Anleger das Investieren in KI-Infrastruktur stets an der realen, dauerhaften Nachfrage messen.
Nach Berechnungen von ETHENEA Independent Investors S.A. erzeugen die aktuellen Investitionen bereits jetzt höhere Abschreibungen, als durch die gegenwärtigen KI-Umsätze gedeckt werden können. Um rentabel zu sein, müssten sich die Erlöse kurzfristig verdoppeln. Langfristige Kapitalrenditerechnungen zeigen, dass die impliziten Renditen der meisten Hyperscaler bis 2030 negativ ausfallen könnten, sofern nicht zusätzliche Jahresumsätze im Billionenbereich generiert werden. Das zeigt, wie vorsichtig man beim Investieren in KI-Infrastruktur vorgehen muss, da die Erwartungen der Märkte der Realität weit vorauslaufen.
Fazit: Was bedeutet das für Ihr Portfolio?
Für vorausschauende Anleger bedeutet diese Analyse keineswegs ein pauschales Desinteresse. Vielmehr kommt es auf eine selektive Strategie an. Das Investieren in KI-Infrastruktur erfordert eine klare Differenzierung zwischen dem soliden, eigenfinanzierten Kern des Marktes und den hochgradig fremdfinanzierten Akteuren an den Rändern. Auch Engpasslieferanten, die unersetzbare Schlüsselkomponenten liefern, bieten weiterhin Chancen. Wer das Investieren in KI-Infrastruktur als langfristiges Fundament nutzen möchte, sollte jedoch Abstand von überteuerten Bewertungen nehmen, die reale Abschreibungen ignorieren.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die technologische Entwicklung ist zweifellos real und wird die Wirtschaft nachhaltig verändern. Doch wie Jörg Held von ETHENEA treffend formuliert: Mit der Technologie recht zu behalten, ist nicht dasselbe, wie mit ihr Geld zu verdienen. Wer das Investieren in KI-Infrastruktur erfolgreich gestalten will, muss den Kapitalzyklus im Auge behalten und darf sich nicht von kurzfristiger Euphorie blenden lassen.
Wenn Sie Ihr Portfolio strategisch ausrichten und das Investieren in KI-Infrastruktur mit einem professionellen Risikomanagement kombinieren möchten, bieten die Ansätze von ETHENEA wertvolle Orientierungspunkte. Die Fokussierung auf solide Bilanzen und reale Cashflows bleibt der beste Schutz vor den typischen Gefahren eines überhitzten Kapitalzyklus.

Hinweis für Anleger: Dieser Artikel basiert auf einer Markt- und Risikoanalyse von ETHENEA Independent Investors S.A. Er dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar.